„Sie haben eine Lücke im Lebenslauf!“ - "Ja. War geil."

Am Anfang wirkt alles so freundlich: Die Personalreferentin ruft an und schmeichelt: Ihre Bewerbung ist sehr spannend, Sie passen perfekt, wir müssen kurzfristig einen Termin finden, um Sie kennenzulernen. Schnell ist der Vorstellungstermin mit dem Chef gefunden. Und auch der scheint wirklich interessiert: Blättert durch den Lebenslauf, fragt nach Stationen im Leben, plaudert sogar von eigenen Zielen. Man trinkt Kaffee, macht vorsichtige Scherze.

Oha, und dann fragt der Personaler, der bisher still auf seinem Stuhl gesessen hat, plötzlich: Wie wichtig ist Ihnen überhaupt Geld?

Überrumpelt, das Gespräch kippt... wenn Sie in solchen Momenten die Fassung verlieren und zu stottern beginnen, haben Sie verloren. Aber wenn Sie in diesen Momenten wissen, was Ihr Gegenüber bezweckt, reagieren Sie einfach gelassener. Denn oft wollen Personaler nur abklopfen, was nicht im Lebenslauf steht. Wir haben 9 skurrile Fragen und ebenso viele kluge Antworten zusammengestellt:


1. „Arbeiten Sie lieber im Team oder allein?“
Die Alternativfragen

Wie bei vielen Fangfragen, die alternative Antworten erlauben, sollten Sie bei dieser Frage vorsichtig sein! Es gibt kaum Jobs, bei denen Sie völlig auf sich allein gestellt sind. Gleichzeitig wird bei den meisten Jobs selbstständiges Arbeiten verlangt. Alternativfragen führen Bewerber aufs Glatteis. Wer vorschnell antwortet, verstrickt sich bei Nachfragen eventuell in Widersprüche. Gibt ein Bewerber etwa an, dass er lieber im Team arbeitet, wirft man ihm anschließend vielleicht vor, er sei nicht selbstständig genug.

Antworten Sie daher nicht voreilig, sondern bieten Sie Ihren Gesprächspartnern verschiedene Szenarien an. In den meisten Fällen hängt es von der Situation ab, ob Sie lieber alleine oder im Team arbeiten. So könnten Sie z.B. antworten: „Wenn ich mir schnell viel Wissen aneignen muss, bin ich lieber ungestört, geht es aber um das Finden von Lösungen, so arbeite ich gern mit anderen zusammen."

Mit dieser Antwort wägen Sie die Sinnhaftigkeit Ihres Tuns ab, agieren ziel- und  lösungsoriertiert und zeigen gleichzeitig soziale Kompetenz!

 


2. „Welche Rolle spielt Geld für Sie?“
Der Führungspositions- Check

Ihr Gesprächspartner will jetzt testen, ob Sie für eine Führungsposition in Frage kommen. Führungskräften wird unterstellt, dass Geld für sie ein Statussymbol und deshalb wichtig ist. Wenn „Geld ist für mich total unwichtig" oder „Es spielt für mich keine große Rolle" Ihre ehrliche Antworten sein würden, dann müssten Sie sich die Gegenfrage gefallen lassen, warum Sie überhaupt arbeiten wollen bzw. sich beworben haben.

Am besten, Sie stellen das Geld nicht in den Mittelpunkt, erläutern aber selbstbewusst, dass eine gute Leistung auch gebührend entlohnt werden sollte. Schließlich will das Unternehmen auch Gewinne erzielen, und Sie wollen sich Ihren einen entsprechenden Lebensstandard erhalten, bzw. erreichen.


3. „Wann haben Sie das letzte Mal eine Vorschrift oder Regel missachtet und warum?“
Sind Sie in der Lage, abzuwägen?

Hier will Ihr Gegenüber nicht etwa wissen, ob Sie vor drei Tagen bei Rot über die Fußgängerampel gelaufen sind. Das können Sie maximal mit einem smarten Lächeln anführen, um etwas Zeit zu gewinnen.

Ihr Gesprächspartner will erkunden, ob Sie Unternehmensregeln häufig durchbrechen, und ob Sie sich über Vorschriften hinwegsetzen. Oder ob Sie in einer bestimmten Situation zwar gegen die Regel, aber dennoch mit Bedacht entschieden haben, eben weil es diese Situation so erfordert hat. Es geht also darum festzustellen, ob Sie in der Lage sind, abzuwägen.

Aber Vorsicht: Sie dürfen weder als Sturkopf ("Ich mache grundsätzlich, was ich will") noch als Apostel des blinden Gehorsams ("Wo denken Sie hin, ich halte mich immer an die Regeln") erscheinen.


4. „Was ist Ihr größter Fehler – und was haben Sie daraus gelernt?“
Selbsteinschätzung und Selbstkritik

Eine allzu ausgeprägte Ehrlichkeit ist hier nicht zielführend, dennoch gilt auch hier: Lügengeschichten sind tabu.

Überlegen Sie sich vorab, was Sie als "Fehler" anführen könnten. Ihr Gesprächspartner wird sich nicht mit Anekdoten wie zum Beispiel einem Autofehlkauf oder einer misslungenen Reiseplanung zufrieden geben. Der Personaler erwartet hier eine Antwort, die ihm Aufschluss darüber gibt, ob Sie fähig zu Selbsteinschätzung und Selbstkritik sind und wie Sie auf diese Frage reagieren. Idealerweise schildern Sie Eigenschaften, die auch positive Wertungen zulassen, etwa „ich bin oft zu ungeduldig“ (Macher-Image) oder „Misserfolge kann ich schlecht wegstecken“ (Erfolgsorientierung).

Was Sie definitiv nicht tun sollten: andere für den begangenen Fehler verantwortlich machen! Das kommt nicht gut an, selbst wenn Ihr Chef oder Ihr Kollege eine Teilverantwortung für diesen Fehler tragen sollte. Wichtig ist zu zeigen, dass Sie zu Ihren Fehlern stehen. Schließen Sie Ihre Antwort auf diese Frage mit dem positiven Ausblick ab, dass Sie aus der geschilderten Sache gelernt haben

 
5. „Ist der Job nicht eine Nummer zu groß für Sie?“
Souveränität und Stressresistenz

Diese Frage soll Sie brüskieren, und Ihre Souveränität und Stressresistenz prüfen. Ihr Gegenüber will herausfinden: Wie schlagfertig und souverän sind Sie, können Sie sich auch aus einer rhetorischen Sackgasse herauswinden?

Halten Sie sich in diesen Momenten vor Augen: es gibt einen Grund, warum der Termin hier und heute stattfindet: "Ich bin auf jeden Fall der Richtige, Sie haben mich ja auch eingeladen." Danach können Sie selbstbewusst Ihre eigenen Stärken aufzählen.


6. „Können Sie uns zehn Schwächen von sich nennen?“
Aus der Reserve locken

Jetzt versucht man, Sie aus der Reserve zu locken. Die Frage nach den eigenen Schwächen gehört zu den Klassikern in Vorstellungsgesprächen. Viele haben sich im Vorfeld drei Schwächen überlegt, die sie preisgeben wollen, aber mit zehn Schwachpunkten haben auch Sie bei aller gründlichen Vorbereitung nicht gerechnet!

Ist auch nicht schlimm: Bleiben Sie bei ihrem Plan, und benennen Sie nur jene Defizite, die sie sich im Vorfeld überlegt haben - natürlich solche, die sich auf die vakante Position nicht auswirken. Die Zahl zehn überhören Sie einfach großzügig, und geben auf Nachfrage möglicherweise eine andere preis, um dann zu sagen: "Tut mir leid, da fällt mir keine weitere mehr ein."


7. „Wer oder was wären Sie gern im nächsten Leben, und warum?“
Spontaneität und Kreativität

Mit dieser Frage will Ihr Gegenüber Aufschluss über Ihre Spontaneität und Kreativität. Eine richtige oder falsche Antwort gibt nicht, Sie sollten vor allem zeigen, dass sie mit sich selbst im Reinen sind. Sie könnten zum Beispiel sagen, sie würden gern wieder als Mann oder Frau geboren werden und noch mal das studieren, was sie jetzt auch studiert haben.


8. „Wie viele Golfbälle passen in einen Schulbus?“
Denkvermögen für Problemlösungen

Ihr Gegenüber erwartet von Ihnen nicht, dass Sie eine genaue Zahl nennen. Sondern einen  Lösungsansatz. Nähern Sie sich dem Ergebnis mit nachvollziehbarer Logik. Keep calm: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen- solche Fragen können Sie unmöglich sofort und richtig beantworten. Wenn Sie gar nicht weiter wissen, dann bedienen Sie sich doch einfach an dieser tollen Suchmaschine- Google weiß alles. Wichtig ist nur, dass sie eine logisch nachvollziehbare Idee entwickeln und überzeugend präsentieren. Wie zum Beispiel diese:

Ein Schulbus muss breit genug sein, um vier Kinder in jeder Reihe unterbringen zu können. Dazu kommt noch der Mittelgang. Sagen wir, er ist 2,75 Meter breit. Zudem muss der Bus hoch genug sein, dass ein Lehrer drinnen stehen kann. Nehmen wir an, er ist innen 2,10 Meter hoch.

Wie viele Sitzreihen hat er? Vielleicht zwölf. Wenn der Abstand der Reihen zueinander einen Meter beträgt, hat der Bus also eine Länge von zwölf Metern.

Das Volumen des Bus-Innenraumes beträgt also 3 x 2 x 12 = 72 Kubikmeter (gerundet).

Ein Golfball hat einen Durchmesser von knapp drei Zentimetern. Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass 30 Golfbälle einen Meter ergeben. Ein Rahmen von 30 x 30 x 30 = 27.000 Golfbällen füllt also einen Kubikmeter.

Die Antwort lautet daher 72 x 27.000 = knapp 2 Millionen Golfbälle passen in einen Bus.

 
9. „Sie haben eine Lücke im Lebenslauf!“
Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit

„Ja, war schön“ ist nicht unbedingt die Toppantwort. Ihr Gegenüber spricht Sie auf eine Lücke in Ihrem Lebenslauf an: Bleiben Sie ruhig und freundlich. Wenn ihn das stören würde, hätte er Sie zu diesem Gespräch nicht eingeladen.

Die Fehlzeiten im eigenen Lebenslauf mit kleinen Mogeleien oder gar Lügen zu füllen, ist keine gute Idee, denn früher oder später wird der Schwindel auffliegen. Auch die "Null Bock"-Version sollten Sie verschweigen. Zielführender ist es, die fehlenden Zeitabschnitte positiv zu erklären.

Vermeiden Sie das Wort "arbeitslos", sagen Sie lieber "arbeitssuchend". War die Zeit ohne Beschäftigung länger, so ist es sicher sinnvoll zu erläutern, wie Sie diese Zeit genutzt haben, beispielsweise um Fremdsprachen- oder PC-Kenntnisse zu vertiefen.

Auch ein längerer Auslandsaufenthalt wird positiv gewertet, denn er bringt zusätzliche Erfahrung fürs Leben. Auch die Angabe von Eltern- oder Pflegezeiten im Familienkreis wird heute als Pluspunkt verbucht. Und schliesslich werden heutzutage "Zeiten der Neuorientierung" auch nicht mehr argwöhnisch betrachtet, sondern als wertvolle Erfahrung.