"Wie sind Ihre Gehaltsvorstellungen?"

Das Vorstellungsgespräch plätschert vor sich hin, und die wichtige Frage nach dem Gehalt wurde noch gar nicht angeschnitten. Das Thema Gehalt sollte dabei nicht von Bewerberseite aus angegangen werden, denn wenn Sie gleich zu Anfang klarstellen, dass Sie unter 60.000 Euro nicht arbeiten, vergiften Sie die Atmosphäre. Ausnahme: Sie sind im zweiten oder dritten Gespräch und der Arbeitgeber hat das Thema Gehalt noch nicht angesprochen.

 

 

 

Die Frage nach dem Wunschgehalt im Vorstellungsgespräch kommt für viele Kandidaten völlig überraschend, und anstatt gut vorbereitet zu sein, haben wir sehr oft die Antwort erhalten: „Keine Ahnung, dazu habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“.

 

 

Spätestens jetzt wird es ernst. Jetzt, wo die Gespräche so gut verlaufen sind, und nur das Gehalt verhandelt wird, steht plötzlich vielen Kandidaten der Schweiß auf der Stirn. Denn: Pokern Sie zu hoch, sind Sie für das Unternehmen eventuell zu teuer. Ist das Gehalt zu niedrig, arbeiten Sie die nächsten Jahre für viel weniger, als es hätte notwendig sein müssen, und Nachverhandeln ist extrem schwierig. Dazu ein Rechenbeispiel: Wer beispielsweise mit 4.000 Euro monatlich einsteigt, erhält nach zehn Jahren bei einer durchschnittlichen jährlichen Gehaltssteigerung von zwei Prozent rund 4.875 Euro. Wer sich dagegen mit anfangs 3.600 Euro zufrieden gibt, braucht über fünf Jahre länger, um finanziell gleichzuziehen. Und ganz genau genommen ist der Rückstand noch größer, da geringere Einkünfte auch geringere Sozialversicherungsbeiträge bedeuten, was sich auf Arbeitslosengeld und Rente auswirkt.

 

 

 

Die Frage nach dem Gehalt spielt in jedem Vorstellungsgespräch eine große Rolle. Einer der wichtigsten Tricks für eine erfolgreiche Verhandlung ist das sogenannte Ankern.

 

Und so setzen Sie Ihren Anker: Legen Sie vor dem Gespräch ein für sich realistisches Wunschgehalt und eine absolute Untergrenze fest. Ihr realistisches Wunschgehalt ist die Zahl, die Sie nennen, wenn Sie sich sicher sind, dass Sie das Unternehmen von sich überzeugt haben. Diese Zahl sollte kein Erstaunen auf Seiten des Unternehmens auslösen, darf sich aber deutlich oberhalb Ihres heutigen Gehaltes (Richtwert +20%) und oberhalb von Vergleichsgehältern (Richtwert +10%) bewegen.

 

Werden Sie gefragt, dann nennen Sie diesen Wert, ohne diesen jedoch explizit zu fordern. So setzen Sie einen Ankerpreis für die Verhandlungen. Übergeben Sie jetzt das Wort an Ihren künftigen Arbeitgeber. Fragen Sie ganz konkret, wo seine Vorstellungen liegen. Diesem wird es insbesondere dann, wenn er von Ihnen überzeugt ist, schwerfallen, eine Zahl zu nennen, die allzu weit entfernt ist von der zuvor genannten- vielleicht nennt er sogar schon eine Zahl deutlich über Ihrer Untergrenze.

 

 

 

Das Ergebnis vieler Verhandlungen endet meist in der goldenen Mitte. Dies scheint fair, denn jeder gibt gleich viel her und es ist sehr leicht sich darauf zu einigen. Je nachdem ob ihr Anker extrem hoch ist oder extrem niedrig – je nachdem aus welcher Perspektive der Verhandlungsseite – sie verschieben die goldene Mitte damit sehr stark zu Ihren Gunsten.

 

 

 

Wir haben weitere 7 sinnvolle Tipps zusammengefasst, wie Sie Ihrer Gehaltsvorstellung näher kommen.

 

 

1. Schneiden Sie das Thema Geld nicht als erster an. Lassen Sie dem Arbeitgeber den Vortritt – bis zur letzten Minute

2. Wiederholen Sie den Gehaltswunsch, den Sie in der schriftlichen Bewerbung genannt haben. Untermauern Sie Ihre Forderung mit Argumenten wie Berufserfahrung, Erfolge beim früheren Arbeitgeber, oder Abschlüsse, die Sie vorweisen können

3. Wenn Sie schon in anderen Unternehmen gearbeitet haben, ist Ihr letztes Gehalt die Verhandlungsbasis. Eine Gehaltssteigerung von bis zu 20 % von Ihrem derzeitigen Verdienst ist ein Anzeichen, dass Sie Ihren Arbeitsplatz aus einem ungekündigtem Vertragsverhältnis heraus wechseln wollen. Aber: Schwindeln Sie nicht – das fliegt fast immer auf

4. Klären Sie, worüber verhandelt wird: Monatliches Grundgehalt, Jahresgrundgehalt, Jahresgesamtvergütung inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie variabler Vergütungsbestandteile. Grundsatz: Mit kleinen Leuten spricht man über kleine Gehälter, d.h. wenn Sie ein Monatsbruttoeinkommen bis zu 3.000 Euro haben, sollten Sie über ein Monatseinkommen verhandeln. Ansonsten sollten Sie über das Jahresgehalt sprechen.

 

Wenn Sie nach Ihrer Gehaltsvorstellung gefragt werden, nennen Sie eine durchdachte, krumme Zahl. Sagen Sie lieber 48.850 statt 45.000 Euro. Denn wenn Sie in Verhandlungen eine präzise Zahl nennen, sind Sie im Vorteil. Grund: Wer einen präzisen Preisvorschlag macht, wirkt überzeugter und auch besser vorbereitet. Das Signal ist klar: Ich weiß, was ich wert bin - und zwar auf den Euro genau. Das schmälert automatisch den psychologischen Verhandlungsspielraum. Zweiter Effekt: Wer sein Jahresgehalt in glatten Tausenderzahlen angibt (40.000, 50.000, 60.000, ...) wird beim anschließenden Feilschen auch in Tausender- oder gar Fünftausenderschritten gedrückt. Wer dagegen eine ganz genaue Zahl nennt (zum Beispiel 48.850 Euro), macht es dem Arbeitgeber schwerer, den Preis zu drücken- er wird jetzt tendenziell in Hunderterschritten denken und verhandeln.

5. Klammern Sie sich nicht an Vergütungsstatistiken. Sie geben eine ungefähre Orientierung, lassen sich aber schwer auf ein konkretes Unternehmen anwenden

6. Behalten Sie Insider-Wissen für sich. Wenn Ihnen jemand, der ebenfalls in dem Unternehmen arbeitet, sein Gehalt gesteckt hat, dürfen Sie diese Quelle auf keinen Fall nicht preisgeben

7. Überstürzen Sie nichts. Der Job läuft Ihnen wahrscheinlich nicht weg, bloß weil Sie Bedenkzeit verlangen.